Dienstag, 10. Januar 2012

Radientopologie

Das Prinzip der Radientopologie beschreibt ein Formsystem, das von Gestaltern entwickelt wurde um Flächenhierarchien zu strukturieren. Die Organisation von Flächen zueinander hilft dem Betrachter ein Objekt im Raum zu orientieren und eine Kommunikationsebene zu finden. Die besondere Qualität der Radientopologie ist der leichte intuitive Zugang, auch ohne das Gestaltungsprinzip analytisch exakt verstanden zu haben. Die Logik hinter diesem System führt zu einer klaren unmissverständlichen Aussage und ist somit ein sehr neutrales und starkes Gestaltungsmittel. Viele Produkte der 60er und 70er Jahre, insbesondere Geräte der Firma Braun, beruhen auf diesem rationalen Gestaltungsansatz…



… die Radientopologie ist ein streng hierarchisch aufgebautes System mit festen Regeln:



1. An konvexen Kanten läuft der kleinere Radius immer um den größeren Radius.

Alle Radiussegmente haben vier Berandungskurven. Das Highlight an der Kante läuft länglich um den größeren Radius herum und wirkt dadurch dynamisch.


2. Der kleinste Radius läuft entlang einer geschlossenen Kontur.



Der jeweils kleinste Radius in der Hierarchie muss entlang einer geschlossenen Kontur verlaufen. Das gilt in diesem Beispiel für den oberen und unteren Radius.

Aus diesen Regeln leiten sich implizit folgende Bedingungen ab:



3. Dreiseitig berandete Radiussegmente sind nicht zulässig.

Dreiseitig berandete Radiussegmente entstehen, wenn der größere Radius um den kleineren Radius läuft, oder die Radien gleich groß sind. Im letzteren Fall entsteht eine „Kofferecke“ mit rundem statischem Highlight.

4. Kein Radius darf auf einer Fläche auslaufen.



Diesen Fall findet man häufig an Produkten, wenn der Gestalter oder der Konstrukteur nicht sorgfältig gearbeitet haben. Das Ergebnis sieht in der Regel unbefriedigend und willkürlich aus.



Der gezielte und systematische Einsatz der Radientopologie ermöglicht dem Gestalter Artefakte eindeutig gegenüber Bezugselementen, beispielsweise dem Boden, zu orientieren. So kann man „topologisch“ gestalteten Objekten eine leicht lesbare Richtung, Raumorientierung oder Objektstruktur zuordnen…



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